Events - 07.09.2010

Abstimmen - Prix Courage 2010 des Beobachters: Saïda Keller-Messahli

Die 53-jährige ist den fundamentalistischen Moslems ein Dorn im Auge: Die gebürtige Tunesierin kämpft trotz Todesdrohungen für einen toleranten Islam.

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Geht es um den Islam, redet Saïda Keller-Messahli mit. Die Prä­sidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam plädiert in un­zähligen Zeitungsinterviews und auf allen TV-Kanälen für einen moder­nen Islam. Mal kämpft die 53-Jährige mit Menschenrechtlern (gegen Zwangs­­ehen), mal an der Seite der SVP (für ein Burka­verbot), mal mit den gleichen Argumenten wie radika­lere Muslime (gegen das Minarettverbot), aber immer auf ihre eigene Weise: tolerant, hartnäckig und mit Überzeugungskraft.

In Tunis in eine arme muslimische Grossfamilie geboren, kommt Saïda Messahli achtjährig zu Pflegeeltern nach Grindelwald. Hier studiert sie, wird Gymnasiallehrerin, zieht mit ihrem Schweizer Ehemann zwei Söhne gross. Als nach dem 11. September 2001 im Westen die Angst vor allem, was irgendwie muslimisch ist, wächst, handelt sie: «Ich will dazu beitragen, den Islam humanistischer, toleranter zu machen.» Sie gründet 2004 das ­Forum für einen fortschrittlichen ­Islam, greift in die öffentliche Debatte ein, hält Vorträge, bestreitet Podiumsgespräche, berät Heranwachsen­de (etwa bei Problemen mit konservati­ven Eltern) und beherbergt auch mal schutzsuchende Jugendliche.

Diese Aufgabe versteht sie praktisch als Vollzeitjob: «Letztes Jahr ­hatte ich kein einziges freies Wochen­ende.» Ihre mode­raten Positionen stos­sen bei fundamentalistischen Muslimen auf wenig Gegen­liebe – wohl weil sie sie pointiert äussern kann. Immer wieder erhält sie Mord­drohungen: «In anderen Ländern wäre jemand wie du schon lange gesteinigt worden», heisst es. Die Drohungen nimmt sie ernst, aber sie brin­gen sie nicht von ihrem Weg ab: «Ich will mich nicht vor ein paar Fundamentalisten ducken. Ich bin schliesslich überzeugt, dass wir die Mehrheit der in der Schweiz leben­den Muslime vertreten.»

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